AUFRUF ZUR TEILNAHME AN DER VERTEIDIGUNG DER BESETZTEN GEMEINSCHAFT VON PROSFYGIKA IN DER ALEXANDRA AVENUE IN ATHEN

Hallo Gefährt:innen,
Dieser Aufruf richtet sich an Kollektive und Einzelpersonen aus der ganzen Welt, sich an der kämpferischen Verteidigung von PROSFYGIKA gegen die drohende Repression zu beteiligen. Die versuchte Räumung unserer Nachbarschaft muss in ein zentrales Ereignis des Widerstands und einen Sieg gegen die politische Macht und die Gentrifizierung unserer Viertel in den Metropolen verwandelt werden.

WAS WIR EUCH EINLADEN ZU VERTEIDIGEN:

Der Gebäudekomplex von Prosfygika wurde 1933 für die Flüchtlinge aus Kleinasien errichtet. Unter diesen Bedingungen entstand ein lebendiges Arbeiterviertel mit kommunalem Charakter. Heute ist es einer der größten Gebäudekomplexe im Zentrum von Athen, der noch nicht gentrifiziert und von den großen Investoren oder dem Staat ausgebeutet wurde. Es ist ein Ort mit strategischer Bedeutung, da er zwischen den beiden „Säulen“ der Autorität liegt – dem Obersten Gerichtshof einerseits und dem Polizeipräsidium andererseits.

Innerhalb dieses sozialräumlichen Rahmens beschlossen einige Militante, die bereits als Hausbesetzer:innen in der Nachbarschaft lebten, sich zu organisieren. Im Jahr 2010 riefen sie die Gemeinschaft des besetzten Prosfygika ins Leben, die als zentrales politisches Entscheidungsorgan SY.KA.PRO, die Versammlung des besetzten Prosfygika, hat. Ein gemeinschaftlicher Körper für das tägliche Leben und den politischen Kampf.

10 Jahre später hat das Projekt eine politisch vereinte Nachbarschaft, zahlreiche besetzte Wohnungen, autonome Gemeinschaftsstrukturen wie das Kinderhaus, das Frauencafé, die Bäckerei, Kleider-, Lebensmittel- und Gesundheitseinrichtungen hervorgebracht, die die Bedürfnisse von Dutzenden von Menschen, Familien, Migrant:innen, Wirtschafts- und politischen Flüchtlingen, viele von ihnen ohne Papiere, alt, krank oder sehr arm, abdecken. Die Gemeinschaft hat gleichzeitig eine konstante Beteiligung an lokalen und internationalen Kämpfen und eine große revolutionäre Perspektive.

Die Gemeinschaft organisiert sich auf der Grundlage von Selbstorganisation, Autonomie, direkter Aktion, Gemeineigentum, sozialer und politischer Gleichheit, Frauenbefreiung. Auf der Grundlage dieser Werte und Methoden koexistieren und arbeiten verschiedene Nationalitäten und Religionen, verschiedene politische Organisationen und politische Auffassungen zusammen, um dem Kapitalismus, dem Staat und dem Patriarchat zu widerstehen und sie zu überwinden, indem sie das Modell des Konföderalismus anwenden, welches das Modell jeder möglichen staatenlosen Gesellschaft ist.

Als SY.KA.PRO beteiligen wir uns an den lokalen Kämpfen der anarchistischen und der breiteren radikalen Bewegung auf dem griechischen Territorium. In den letzten Jahren haben wir uns an mehreren Kämpfen für Gefangene beteiligt, wie z.B. dem Hungerstreik von Dimitris Koufontinas, bei dem unsere Mitglieder zusammen mit Dutzenden anderer Genoss:innen während massiver Interventionen verhaftet wurden. Wir stehen an der Seite der radikalen Student:innenbewegung, die immer wieder versucht, Räume für Kämpfe innerhalb der Universitäten zu erobern, wobei die Beteiligung an der Besetzung der Polytechnischen Universität – einem Symbol des Widerstands gegen die Diktatur – einen Schwerpunkt bildet. Wir haben uns an vielen Antirepressionskämpfen beteiligt, um uns mit anderen Hausbesetzungen und Genoss:innen zu solidarisieren, und wir verteidigen aktiv das Viertel von Exarchia gegen Repression und Gentrifizierung.

Darüber hinaus sind unsere Leute gereist, um durch eine internationalistische Perspektive die soziale Revolution der kurdischen Freiheitsbewegung in Rojava zu unterstützen, wo eines unserer Mitglieder, Haukur Hilmarsson „Spark“, gefallen ist. Gleichzeitig schließt unsere internationalistische Perspektive und Solidarität die Aufnahme von türkischen und kurdischen revolutionären Organisationen und ihren politischen Flüchtlingen in die Strukturen der Gemeinschaft ein. Genossinnen und Genossen aus der ganzen Welt besuchen uns oder organisieren sich in unserer Gemeinschaft. Natürlich schließen diese Beziehungen auch die Solidarität mit Projekten im Ausland ein, wobei Rigaer94 in Berlin eines der bekanntesten Beispiele ist.

Die Verteidigung des Viertels ist bereits durch die bloße Existenz der Gemeinschaft, ihre Organisation, Aktionen, Veranstaltungen und unsere kleinen Konfrontationen mit den Bullen, wann immer sie sich bedrohlich in unserem Gebiet bewegen, im Gange. Und diese Verteidigung hat ihre Effizienz während der großen Zusammenstöße vom 31.10.2016 gegen die Invasion von Bullen und Faschisten bewiesen.
Gegenwärtig sind wir bereit, im Falle einer Invasion/Räumung unsere Nachbarschaft stark zu verteidigen. Und es gibt viele Möglichkeiten, zu diesem Widerstand beizutragen. Gleichzeitig wird jede Solidaritätsbekundung und jede Gegeninformationsaktion diesen Widerstand stärken.

MÖGLICHKEITEN ZUR BETEILIGUNG AN DER VERTEIDIGUNG VON PROSFYGIKA:

– IN DIE NACHBARSCHAFT KOMMEN

In unserer Gemeinschaft gibt es Räume, in denen Internationals für eine gewisse Zeit untergebracht werden können, die unser Projekt kennenlernen, die Menschen treffen, sich in die gemeinsamen Strukturen und das tägliche Lebensprogramm einbringen und Verantwortung für den aktiven Widerstand in der Nachbarschaft übernehmen wollen. Konkret bedeutet das, sich an den laufenden Antirepressionsprozessen zu beteiligen, Teil der Konfrontation zu sein, wenn sie während der Aufenthaltszeit stattfindet, und sich an der Solidaritätsprozedur zu beteiligen, die nach der Repression entstehen wird. Eine zusätzliche Unterstützung für den Verteidigungsplan kann durch technisches Wissen und Arbeit für Verbarrikadierung, Kampfmaterial, Alarmsystem entstehen.

– SOLIDARITÄTSERKLÄRUNGEN UND -AKTIONEN

Wir halten jedes Transparent, jede Parole und jede Ankündigung für wichtig, um zur politischen Verteidigung von Prosfygika beizutragen. In einer Logik, die dem Staatsapparat und dem kapitalistischen Reichtum die größtmöglichen Kosten in Form von Zerstörung, Gewalt und sozialer Bloßstellung zufügt, werden auch aggressive und aktivistische Solidaritätsaktionen begrüßt.

DIE GEMEINSAMEN GRÜNDE FÜR DIE VERTEIDIGUNG VON PROSFYGIKA:

Die Verteidigung der Nachbarschaft von Prosfygika bedeutet für das oben beschriebene Projekt, dass es seine derzeitige Existenzgrundlage und seine Bewohner:innen ihre Wohnstrukturen behalten sollen. Mehr als 10 Jahre Arbeit, Organisation und Kämpfe im Zentrum von Athen, das einem brutalen Gentrifizierungsprozess ausgesetzt ist, sollen fortgesetzt werden. Wir sehen dieses Gebiet jedoch nicht losgelöst von der lokalen und internationalen Bewegung für Autonomie und Befreiung von Staat und kapitalistischer Uunterdrückung. Daher glauben wir, dass ein kämpferischer und im besten Fall erfolgreicher Widerstand allen Projekten nützt, die sich in dieser Logik befinden und politisch und historisch miteinander verbunden sind.

In der Tat, von der Schlacht der Koukaki Squat Community bis hin zu erfolgreichen Wiederbesetzungen und groß angelegten Konflikten wie in der Rigaer Straße, gibt es immer mehr Beispiele von Kollektiven und Gemeinschaften, die den Weg des kämpferischen Widerstands wählen. Wir haben gesehen, dass solche Aktionen die überwältigende Macht des Staates destabilisieren, Verwirrung stiften und ihn zwingen, einen Schritt zurückzutreten. Weil das, was wir aufbauen, einen politischen und sozialen Wert hat, lohnt es sich dafür zu kämpfen. Weil wir wissen, dass uns nichts geschenkt wird, müssen wir es uns mit Entschlossenheit, Entschiedenheit und radikalen Mitteln erkämpfen.

Als Versammlung des besetzten Prosfygika begrüßen wir jede Beteiligung, jeden Vorschlag und jeden Plan, und unser Boden ist offen.

Wir hoffen auf gemeinsame, erfolgreiche Kämpfe.

siehe auch:
sykaprosquat

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