Tear Down This Shit

Deutschlands koloniales Erbe lebt auf den Straßen weiter.

Bis heute werden in Deutschland Kolonialverbrechen und -verbrecher durch Straßennamen und Denkmäler geehrt. Ob Straßen, Plätze oder U-Bahnhöfe: viele Orte sind nach Kolonialverbrechern benannt. Andere stehen in direktem Bezug zum deutschen Kolonialismus. Bis heute gilt die Benennung von öffentlichen Plätzen in Deutschland als Ehrung von Personen und Würdigung historischer Ereignisse.

Das macht die 2020 veröffentlichte Karte sichtbar.
Gemeinsam mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland hat das Peng-Kollektiv Orte mit Kolonialvergangenheit veröffentlicht.

Laut Netzpolitik.org, ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen angeblicher Aufforderung zu Straftaten. Bullen haben Donnerstagmorgen in Berlin und Leipzig die Büroräume des Peng-Kollektivs und die Wohnungen von zwei Mitgliedern durchsucht.

Die Karte ist ein Startpunkt für die Sammlung von kolonialen Namen im öffentlichen Raum. Durch Einsendungen soll das Bild vervollständigt werden.

Verantwortung übernehmen

Mit der Präsenz von Verbrechern, Kriegen und Symbolen von Ausbeutung und Gewalt im öffentlichen Raum werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewürdigt. Das ist ein Zeichen für den allgegenwärtigen Rassismus und dafür, dass Deutschland keine Verantwortung für die eigene koloniale Vergangenheit übernimmt. Wenn Kolonialgeschichte nicht aufgearbeitet wird, bleiben rassistische Strukturen bestehen.

Perspektive wechseln

Kolonialismus ist Teil der deutschen Geschichte! Er muss aufgearbeitet werden, insbesondere seine Kontinuität im Nationalsozialismus und in allen Nachwirkungen, die er bis heute hat. Eine tiefergehende kritische Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus muss Teil unseres Alltags werden! Gerade auch im öffentlichen Raum. Durch koloniale Straßennamen, schreibt sich aber immer und immer wieder die Perspektive der Täter und der Gewalt in die öffentliche Wahrnehmung ein. Es geht nicht um die Unsichtbarmachung von Kolonialgeschichte, sondern um einen Perspektivwechsel.

Kämpfer*innen empowern!

Kolonialgeschichte darf nicht weiter verharmlost oder gar romantisiert werden. Sie muss aus der Perspektive des Widerstands erzählt werden. Und zwar mit den Namen wichtiger antikolonialer Denker*innen und Kämpfer*innen. Für einen öffentlichen Raum, in dem Schwarze Menschen und Menschen of Color nicht an Leid und Gewalt erinnert werden, sondern sich empowert fühlen!

Markieren

Wer wird da eigentlich wofür geehrt? Verbrecher für Verbrechen, das geht nicht! Kopf ab, Runter vom Sockel, Farbe drauf, Schild drüber – die Möglichkeiten sind vielfältig. Aber markieren reicht nicht, wir suchen andere Formen. Vieles kann ein Denkmal sein und im Zweifelsfall macht es sich im Wasser treibend auch ganz gut.

Aufarbeiten

Durch vielfältige Interventionen wird Geschichte nicht entsorgt, sondern anders erzählt. Postkoloniale Initiativen und Gruppen kämpfen seit Jahrzehnten für eine andere Erinnerungskultur.
Dabei ist es wichtig, Menschen aus den ehemaligen Kolonien und Menschen, die selbst Rassismus Erfahrungen haben, einzubeziehen. Es geht nicht nur darum, gemeinsam den öffentlichen Raum zu gestalten, sondern auch darum, wer mitentscheidet.

Erinnern

Nach Widerstandskämpfer*innen benannte Straßen, Gegen-Denkmäler, Plätze, die uns an empowernde politische Ereignisse erinnern: all das sind Orte, an denen wir uns gerne versammeln. Hier können wir sowohl der Opfer der grausamen Verbrechen des Kolonialismus gedenken als auch den Widerstand feiern. Damals wie heute! in der Kontinuität solidarische Kämpfe gegen Rassismus und Ausbeutung. Der öffentliche Raum ist für alle. Straßenumbenennungen und Gegen-Denkmäler sind erst der Anfang, wir fordern einen zentralen Erinnerungsort!

Runter vom Sockel!
Und dann?

Wenn die Denkmäler gefallen sind, soll keine Erinnerungslücke bleiben. Deutschlands Kolonialgeschichte darf nicht aus dem Stadtbild verschwinden. Im Gegenteil. Die Grausamkeit des Kolonialismus muss sichtbar gemacht werden, den Opfern soll gedacht werden, der antikoloniale Widerstand und der fortwährende Kampf gegen Rassismus sollen geehrt werden.
Wo ein Denkmal fällt, soll ein Mahnmal entstehen oder die Sockel werden befreit, um Platz für Gestaltung von Künstler*innen aus den ehemaligen Kolonien und der hiesigen Schwarzen Community zu schaffen. Straßen werden nicht einfach irgendwie umbenannt. Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Statt den Kolonialverbrechern zu huldigen, muss die Ehrung denjenigen Zuteil werden, die gegen die koloniale Gewaltherrschaft gekämpft haben. So wird der Anspruch einer antirassistischen Gesellschaft auch im Stadtbild verankert!

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