Afghanistan: Der Sieg der Taliban im globalen Kontext

Eine anti-imperiale Perspektive von einem Veteranen der US-Besatzung

Die Geschwindigkeit, mit der die Taliban Afghanistan noch vor dem Ende des Abzuges der USA zurückerobert haben, zeigt, wie zerbrechlich die Hegemonie des US-Imperiums ist: wie viel Zwangsgewalt es braucht, um sich aufrecht zu erhalten und wie schnell sich alles ändern kann, wenn diese Gewalt abgezogen wird. Dadurch wird ein Blick in eine mögliche post-imperiale Zukunft möglich — wenn auch kaum in eine vielversprechende. Wie hat sich die Besatzung auf die Menschen in Afghanistan ausgewirkt? Warum konnten die Taliban so schnell so viel Territorium zurückerobern? Was sagen uns der Rückzug der USA und seine Folgen über die Zukunft und wie wir uns darauf vorbereiten können? Continue reading

Nancy/Metz: Boris ist im Koma!

Unser Gefährte Boris, der seit September 2020 im Gefängnis von Nancy-Maxéville inhaftiert ist, weil er zwei Funkmasten im Jura angezündet hat, liegt derzeit in der Verbrennungsstation des Krankenhauses von Metz im künstlichen Koma. Das Feuer soll am Samstag, den 7. August, gegen 6.30 Uhr in der Zelle [in der er allein inhaftiert war] ausgebrochen sein.

Sicher ist nur, dass das Gefängnis ein System der institutionalisierten Folter ist und dass der Staat – von der Polizei über die Justiz bis hin zum Gefängnis – für diese Situation direkt verantwortlich ist.

Lass Traurigkeit in Wut gegen jede Autorität umschlagen… Continue reading

Mit Hass & Geduld! – Zum Hungerstreik der Anarchistin Natascia Savio

Beitrag zum Hungerstreik der anarchistischen Gefährtin Natascia Savio in Italien. Kopiert von kontrapolis.info. Verteilt auf der Rigaer94-Demo in Hamburg.

Aus dem Flugblatt, das in Hamburg verteilt wurde:

Ich weiß, wen sie in die Gefängnisse stecken:
Die Armen und die Fremden. Jene, die keine billigen, unsichtbaren Arbeitskräfte sein wollen. Jene, die außerhalb des Gesetzes leben, weil sie nur die Wahl hatten zwischen Lohnsklaverei und Kriminalität.
Ich weiß wo diese Menschen leben müssen. In den Vierteln an den Rändern der Städte, von denen nicht gerne geredet wird und die, auch nur im besten Falle, mit den teuren öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Ich weiß, wie mit jenen umgegangen wird, die nichts zu entscheiden haben und die nicht zählen.
Und wer nicht akzeptiert, wer nicht wegguckt, wer sich wehrt, bekommt die Härte und Gewalt der Justiz des Staates zu spüren. Continue reading

Die Ermordung von Daunte Wright: Kooptation und Revolte

Nun, da der Prozess gegen den Mörder von George Floyd zu einem Ende gekommen ist, ist ein guter Moment um über Proteste gegen Polizeigewalt nachzudenken. Oft bleibt es dabei, das Gerechtigkeit gefordert wird. Aber was meinen wir, wenn wir „Gerechtigkeit“ sagen? Meine wir damit ein Zugeständnis von Seiten der Regierenden und ihrer Justiz? Oder ist Gerechtigkeit etwas, dass wir selbst in den Händen halten? Die Aufstände nach dem Tod George Floyds haben es möglich gemacht über die reelle Abschaffung der Polizei als Ganzes zu sprechen. Dies kann uns lehren, dass wenn die Angst die Seiten wechselt und die soziale Revolte sich ausbreitet, eine andere Welt vorstellbar wird! Eine solche Dynamik zu entfesseln und zu ihrer Entwicklung in Richtung Freiheit beizutragen, dass ist etwas das wir tun können.

„Am Ende sind nur wir die Gerechtigkeit. Wir sind diejenigen, die bestimmen müssen, womit die Polizei davonkommt und welche Konsequenzen sie und die Regierung, die sie bezahlt, zu tragen haben – nicht die Gerichte, die von demselben System geleitet werden, das sie aussendet, um uns anzugreifen.“

Ein Artikel von crimethinc übersetzt von schwarzerpfeil. Viel Spaß beim lesen!

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Hungerstreik der Gefangenen des sozialen Krieges in Chile

Aktion in Solidarität mit den Gefangenen

Vor etwa drei Wochen hat Dimitris Koufontinas seinen Hungerstreik beendet. Es war ermutigend zu sehen, wie Menschen auf den ganzen Welt Solidaritätsaktionen mit ihm und der Revolte in Griechenland gemacht haben. Nun wollen wir ein Interview zu einem weiteren Hungerstreik teilen.

Chile. Seit dem 22. März hat eine Gruppe von politischen Gefangenen, Anarchist:innen, Subversiven und von der Revolte einen Hungerstreik begonnen, der die Abschaffung des Gesetzesdekrets 321 fordert, das das alte Recht auf „Entlassung auf Bewährung“ in eine sehr schwer zugängliche „Belohnung“ umwandelt, und auch die Freilassung von Marcelo Villarroel fordert, der 25 Jahre in verschiedenen Gefängnissen verbracht hat. Bezüglich dieser neuen Mobilisierung, die aus den Gefängnissen der Demokratie heraus durchgeführt wird, sprach Vamos Hacia La Vida mit einer der Sprecher:innen der Genoss:innen. Continue reading

6. Januar: Massenbasis für den Faschismus?

 

„Der Bürgerkrieg mag unvermeidlich sein, aber wenn er es ist, ist das ein Grund mehr, sich auf den Aufbau von Netzwerken zu konzentrieren und diejenigen anzusprechen, die sich noch nicht für eine Seite entschieden haben, solange noch Zeit ist.“

Eine Analyse zum Sturm auf das Capitol übernommen von de.crimethinc.com

Zu einer breiteren kämpferisch-antifaschistischen Analyse der gegenwärtigen Situation in  siehe: itsgoingdown.org und threewayfight.blogspot.com


Nach einer Kundgebung von Donald Trumps Anhänger:innen, auf der er seine unbegründeten Behauptungen des Wahlbetrugs verkündete, wurde das Kapitol gestürmt. Als Folge zersplittert die Republikanische Partei und bereitet so die Bühne für die Vertiefung einer neuen überparteilichen politischen Mitte – wenn auch viel weiter rechts als zuvor. Doch dies ebnet auch den Weg für große Teile von Trumps Basis, sich von der repräsentativen Demokratie zu verabschieden und eine explizit faschistische Alternative anzunehmen. Die Ereignisse des 6. Januar bieten ihnen Märtyrer:innen und ein revanchistisches Narrativ, das ihnen in den kommenden Jahre dienen wird und einen internen Mythos für die Rekrutierung und eine Rechtfertigung liefert, wann immer sie Gewalt anwenden wollen. Continue reading

Tout le monde déteste la police – Zur Demo am 28. November in Paris

Darmanin, tu vas voir flou !Wir teilen einen aktuellen Artikel von Sūnzǐ Bīngfǎ, die wiederum einen Artikel von acta zone zu den aktuellen Kämpfen gegen das neue Polizeigesetz in Frankreich übersetzt haben. Nach dem es letzte Wochen schon im ganzen Land weitgehend friedliche Demos gegen das Gesetz gegeben hatte, haben die jüngsten krassen Fälle bestialischer Bullengewalt, das Fass zum überlaufen gebracht. In Anbetracht des am kommenden Mittwoch landesweit stattfindenden Streiks der Bildungsarbeiter*innen, verheißt diese Zuspitzung viele spannende Momente und erklärt die Nervosität Macrons, der sich gar nicht schnell genug von dem Gesetzesentwurf distanzieren konnten … es bleibt spannend.

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Welcome to the Frontlines: Jenseits von Gewalt und Gewaltlosigkeit

Welcome to the Frontlines: Jenseits von Gewalt und Gewaltlosigkeit

Im Folgenden veröffentlichen wir einen schon einige Wochen alten Text von cuangcn.org. Der Text analysiert auf der Basis der Kampferfahrungen von Hong Kong bis Santiago die Dynamiken zwischen den „gewaltfreien“ und „militanten“ Elementen in aufständischen sozialen Momenten und Protestbewegungen. Ausgehend von den hiesigen Verhältnissen, in denen die Teilnehmenden an Protesten sich oft nur ein mildes Zugeständnis an die „Vielfalt der Mittel“ abringen können, drängt der Text in Richtung eines vertieften Verständnisses der Beziehungen, die wir, um die Herrschaft des Kapitals und der Polizei zu brechen, entwickeln müssen. Frei von jedem Gedanken an eine fiktive Einheit der Protestierenden entwickeln die Autor*innen eine taktische Perspektive und konfrontieren uns letztlich auch mit der Frage, wie wir selber agieren wollen und ob Demonstrationen, Spontis, ein Abend mit Freund*innen in den Straßen … nicht von uns immer als Momente verstanden werden können, um zu handeln – orientiert an unseren Bedürfnissen, jedoch bewaffnet mit einem taktischen Verständnis vom Kampf gegen die uns Unterdrückenden Cops.

Es ist uns ein Anliegen diesen Text auch in Bremen und umzu zugänglich zu machen. Möge er unsere Diskussionen befeuern! Viel Spaß beim lesen! Continue reading

DIE FORDERUNGEN DER KOLLEKTIVEN SCHWARZEN STIMMEN VOM FREIEN CAPITOL HILL AN DIE REGIERUNG VON SEATTLE

In Reaktion auf den Mord an George Floyd haben die Bewohner_innen von Capitol Hill die autonome Selbstverwaltung ihrer Nachbarschaft erklärt. Die Polizei von Seattle hat sich am 8. Juni aus dem Bereich der Capitol Hill Autonomous Zone zurückgezogen. Der folgende Text ist die Übersetzung eines kleinen Ausschnitts aus diesem Kampf (gefunden auf medium.com via twitter)

Gewidmet den Menschen, die Capitol Hill befreit haben, ist diese Liste von Forderungen weder kurz noch simpel. Dies ist keine einfache Aufforderung, die Brutalität der Polizei zu beenden. Wir fordern, dass der Stadtrat und der Bürgermeister, wer auch immer das sein mag, diese politischen Änderungen umsetzen, um den kulturellen und historischen Fortschritt der Stadt Seattle zu fördern und die Kämpfe ihrer Bevölkerung zu erleichtern. Dieses Dokument soll die schwarzen Stimmen darstellen, die nach 9 Tagen friedlichen Protests unter ständigen nächtlichen Angriffen des Seattle Police Departments als Sieger an der Spitze von 12th & Pine [Straßenname, A. d.Ü.] sprachen. Dies sind Worte aus dieser Nacht, dem 8. Juni 2020.

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